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Onlineshop-System

Magento

Magento – ein Marktführer im E-Commerce wechselt den Besitzer

Magento: Ein Rückblick auf zehn erfolgreiche Jahre

Die Onlineshop-Software Magento wurde im März 2008 erstmals vorgestellt und hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem Marktführer im E-Commerce Bereich entwickelt. Heute wird Magento weltweit in mehr als 200.000 Shops eingesetzt. Zu den Anwendern gehören nicht nur kleine und mittelgroße Unternehmen, sondern auch Konzerne wie Coca-Cola oder Burger King. Das Unternehmen Magento Inc. ist seit der Erstveröffentlichung von Magento durch zahlreiche Hände gegangen. Zwischen 2011 und 2015 war die Magento Inc. ein Tochterunternehmen von eBay, Permira übernahm es im November 2015. Im dritten Quartal 2018 wird das bewährte Shopsystem in den Besitz von Adobe übergehen.

Die Technik hinter Magento

Magento in der Version 1 basiert auf PHP >= 5.4 und verwendet in der Standardausführung MySQL für die Datenspeicherung. Benötigt wird ein Linux-Server auf Linux x86 bzw. x86-64.

Die Version Magento 2 benötigt als Webserver Apache 2.2 oder 2.4 oder nginx 1.8, PHP in den Versionen 7.0.2, 7.0.4, 7.0.6-7.0.x und MySQL 5.6, ist aber auch kompatibel mit MySQL 5.7

Außer PHP nutzt Magento zur Konfiguration der technischen Basis und der Schnittstellen XML-Dateien. Bei den Cache-Backends ist Magento äußerst flexibel und kann neben individuell entwickelten Lösungen mit den folgenden Backends arbeiten:

  • File
  • SQLite
  • Memcached
  • Alternative PHP Cache
  • XCache
  • ZendPlatform
  • TwoLevels

Auszeichnungen für den Marktführer

Im Sommer 2017 wurde die E-Commerce Lösung von Gartner und Forrester ganz offiziell zum Marktführer in diesem Segment erhoben. Damit kann Magento mit Konkurrenten wie Salesforce, Oracle und IBM mithalten.

Wichtigsten Akteure im Bereich Digital Commerce grafisch dargestellt
Abbildung 1: Gartner Quadrant

Die Vorteile von Magento – ein Überblick

Magento erlaubt es Nutzern, einen Onlineshop aufzubauen, Produkte anzubieten und auch zu verwalten. Aufgrund seiner Flexibilität lässt sich Magento hervorragend um weitere Funktionalitäten erweitern. Hunderte sogenannter Extensions, die teilweise kostenpflichtig sind, erlauben die Anpassung des eigenen Shops mit Tools aus Bereichen wie Verwaltung, Zahlungsabwicklung, Versand oder Katalogen.

Was Nutzer überzeugt:

  • Freie Magento Community Edition
  • Individuell konfigurierbar dank Open Source Konzept
  • Geeignet für den deutschen Markt
  • Intuitives, nutzer- und kundenfreundliches Shopsystem
  • Modularer Aufbau für optimale Wartung, Skalierbarkeit und reibungslose Updates
  • Ständige Weiterentwicklung durch das Unternehmen und die Community
  • Integrierte SEO-Optimierung
  • Integrierte Lagerverwaltung und Verwaltung von Produkten und Aufträgen
  • Geeignet für unterschiedlichste Produkttypen, auch Downloads u. ä.
  • Integrierte Reports beispielsweise für die Umsatzanalyse
  • Zahlreiche Zahlungsmethoden zur Auswahl

Längst kann das Online-Shopsystem mehr als nur E-Commerce. Das aktuelle Produktportfolio bei Magento bietet inzwischen komplette Business-Lösungen an, darunter

  • Magento Commerce als E-Commerce-Plattform
  • Magento Commerce Cloud
  • Magento Order Management (MOM)
  • Magento Business Intelligence
  • Magento Social
  • Magento Shipping
Fakten über Magento grafisch dargestellt
Abbildung 2: Quelle Netz 98

Was kann Magento?

Das beliebte Shopsystem ist sowohl kostenlos als auch mit Lizenz nutzbar. Die Magento Cloud Version wird als sog. PaaS Lösung angeboten, auf Basis von AWS mit verschiedenen Zusatzdiensten und umfassendem Support. Das Konzept Plattform-as-a-Service liegt im Trend und erlaubt es Nutzern, vergleichsweise kostengünstig und relativ schnell in den digitalen Vertrieb einzusteigen – so können Unternehmen schnell und kostengünstig mit der Digitalisierung von Vertriebsprozessen starten. Und auch was die Marketing- und Personalkapazität angeht, hat Magento gerade im deutschsprachigen Raum massiv aufgestockt, so dass das Unternehmen mit dem existierenden Produktportfolio für die Zukunft gut aufgestellt ist.

Zurzeit gibt es Magento in den folgenden drei Editionen:
  • Magento Community Edition, kostenlos und mit Open Source-Lizenz OSL 3.0
  • Magento Commerce, ab 15.550 US$ jährlich mit Gold Level Support, ab 49.990 US$ jährlich mit Platinum Level 24/7-Support
  • Commerce Cloud Edition

Magento in Deutschland nutzen

Zwar entspricht der Magento-Shop nicht ganz den rechtlichen Bestimmungen in Deutschland, aber für Abhilfe ist schon lange gesorgt. Zwei Module und ein vorkonfiguriertes Gesamtpaket namens „Magento DE“ erlauben den Einsatz in D-A-CH. Ohnehin greifen viele Onlineshop-Betreiber im deutschsprachigen Raum auf eigens konfigurierte spezielle Lösungen zurück, die ihnen erlauben, ihre Anforderungen an den E-Commerce auch wirklich umzusetzen. Daher sind besonders hier die Shoplösungen sehr individuell.

Magento: Die deutsche Community Edition

Dank des von Trusted Shops und symmetrics CGI entwickelten Moduls Magento DE ist Magento um Funktionalitäten erweitert worden, die in Deutschland für B2C-Shops erforderlich sind. Auch die Zertifizierung durch Trusted Shops ist vorbereitet. Entwickelt wurde Magento DE tatsächlich durch Mitglieder der Magento-Community. Heraus kam dabei eine für deutsche Online-Händler vorkonfigurierte, vollständige Magento Community Edition, bei der im Zuge einer Installation sowohl Magento als auch die für den deutschen Markt erforderlichen Erweiterungen eingerichtet werden.

Mit welchen Leistungen punktet Magento?

Magento Site Management

Das Besondere an Magento ist der hierarchische Aufbau der Shops. Sie sind in vier Bereiche unterteilt, die als Global, Website, Store und Storeview bezeichnet werden. Die jeweils übergeordneten Ebene gibt ihre Eigenschaften an die darunterliegenden weiter.

Der globale Bereich ist der oberste Geltungsbereich der Installation, wo die Standardeinstellungen für die anderen Bereiche festgelegt werden.

Der Website-Bereich erlaubt die Aufteilung einer Installation in verschiedene Websites und die Konfiguration der jeweiligen Einstellungen, die von den Storeviews unterhalb einer Website geteilt werden.

Der Store-Bereich ist zur Verwaltung der Kategorienstruktur erforderlich. Da hier die erforderlichen Kategorien bzw. Root-Kategorien eingerichtet werden, ist dies eine sehr abstrakte Ebene.

Im Bereich Storeview wird die Ansicht des jeweiligen Shops durch Layout, Sprache, Texte etc. angepasst.

Mithilfe von Magento lassen sich also mehrere Onlineshops mit ihren jeweils eigenen Katalogen und ihrer Kundendatenbank auf den jeweiligen Domains verwalten. Mehr noch, Magento erlaubt im B2B die kundenspezifische Darstellung, so dass Händler jedem Kunden ein speziell auf ihn abgestimmtes Sortiment anzeigen können. Dabei wird die Verwaltung auf drei Ebenen abgewickelt:

  1. Website website
  2. Store store group
  3. Store View store

Hier unterscheiden sich, wie man sieht, die Bezeichnungen, die bei Magento im Quellcode und in der Datenbank verwendet werden, von den → internen Bezeichnungen.

Bestellungsabwicklung

Das Shopsystem erlaubt die Verwaltung von Bestellungen wie in der Warenwirtschaft. Hierbei wird normalerweise die Bestellung vom Kunden im Frontend des Shops aufgegeben, indem nach bekanntem Verfahren die gewählten Produkte in einen Warenkorb gelegt werden, anschließend Rechnungsanschrift und Lieferadresse gewählt werden und die bevorzugte Zahlungsmethode eingegeben wird. Mit dem Klick auf die Schaltfläche „Kaufen“ wird der Einkauf abgeschlossen. Allerdings kann eine Bestellung bei Magento auch komplett im Backend angelegt und verwaltet werden.

Der Inhaber des Onlineshops hat die Möglichkeit, Rechnungen, Lieferscheine und Gutschriften zu erstellen und damit Zustand und Status der Bestellung zu beeinflussen. Hierbei ist der Zustand von Bestellungen in Magento zwar fest, allerdings können einem Zustand verschiedene, auch mehrere Statuscodes zugewiesen werden. Dies erlaubt die differenzierte Bearbeitung von Bestellungen sowohl in der Kommunikation mit dem Kunden als auch intern.

Flexibel und konfigurierbar durch zusätzliche Module

Die vorgegebenen Funktionen von Magento können durch Erweiterungen an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden. Erweiterungsmodule lassen sich beispielsweise für Magento 1 auf Magento Connect finden, für Magento 2 auf Magento Marketplace.

Unterschiede zwischen der Open Source und der Enterprise Version

Beide Magento-Versionen, sowohl die freie Community Edition als auch die kostenpflichtige Commerce Lösung, nutzen den gleichen Magento Core. Deshalb ist bei beiden Versionen die Softwarestruktur identisch, und auch Backend und Frontend unterscheiden sich nicht. Wer sich nun fragt, was Enterprise-Nutzer an Mehrwert erhalten, wird feststellen, dass hier vor allem der Support, die Gewährleistung und die Funktionalitäten von der CE abweichen. Bei Magento Enterprise ist der Kundensupport von Magento Inc. inklusive, in der Platinum-Version für sieben Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag. Hinzu kommt eine priorisierte Bearbeitung von Fehlermeldungen. Ebenso gibt Magento keine Garantie für die Community Edition, bei der Enterprise-Version hingegen bürgt Magento für das reibungslose Funktionieren der Software. Weitere exklusive Funktionen gibt es nur in der Bezahlversion.

Die Unterschiede im Überblick

Magento Open Source Core Funktionalitäten Zusätzliche Funktionalitäten bei Magento Commerce
Multi-Shop- und Multi-Site-Funktionalität Verbesserte Kundensegmentierung und gezielteres Targeting
Unterstützt mehrere Sprachen, Währungen und Steuerzonen verbesserte Suchergebnisse und –skalierung durch Elasticsearch Funktionalität
Modulare Optionen für Versand und Zahlung Gutscheine
flexible Layout- und Design-Templates B2B-Features wie etwa Abbildung von hierarchischen Unternehmensaccounts, Angebotsanfragen, Schnellbestellungen, kundenspezifischen Katalogen und Preisen
echtes Content-Management-System mit Drag-and-Drop Funktion Magento Business Intelligence Tools
individuelle Dashboard-Ansichten simple Integration von In-Store Pick-up dank Magento Order Management (MOM)
API/XML erlaubt die Integration von Drittanbietern wie etwa ERP-Systemen automatisierte E-Mails für Kaufabbrecher (z.B. verlassener Warenkorb)
Produktattribute frei konfigurierbar Content Staging und Preview
unkompliziertes Anlegen konfigurierbarer Produkten Themes mit responsivem Design
intelligente Verwaltung von Kundengruppen Technischer Support rund um die Uhr

Magento Open Source eignet sich besonders für kleinere Onlineshop-Projekte und ist eine ideale Lösung für Einsteiger im Onlinehandel. Die Commerce-Version empfiehlt sich für Nutzer, deren Onlineshop bereits eine gewisse Größe erreicht hat und denen es darauf ankommt, zahlreiche Produkte und einen umfangreichen Kundenstamm zuverlässig und effizient online zu verwalten und zu betreuen.

Magento 2 – lohnt sich der Griff zur neuen Version?

Die Magento Version 2.0 wurde nach mehr als vier Jahren in der Entwicklung am 17. November 2015 veröffentlicht. In der Version 2.0 sind seitdem neue Minor Releases und Bugfixes bereitgestellt worden. Magento 2 ist entwickelt mithilfe des Zend Framework 1, Zend Framework 2 und Symfony2 unter der Open Software License Version 3.0. Da es sich um ein Versionsupdate handelt, wurde der Core überarbeitet. Allerdings wurde EAV beibehalten. Die wohl wichtigste Neuerung ist der Wechsel des JavaScript-Frameworks. Prototype wurde zugunsten von Jquery aufgegeben. Auch ein neues Layout der grafischen Oberfläche gehört zur neuen Version, ebenso wie das nachladen von Inhalten oder Blöcken durch Ajax. Die in Magento 2 integrierten Features besonders für B2B-Projekte sollen die Erstellung von Shops noch unkomplizierter und schneller machen.

Zwar sind die meisten Anwender an die Version 1.0 gewöhnt, aber der Support für diese Version wird in absehbarer Zeit auslaufen. In jedem Fall ist es ratsam, Magento konsequent auf dem neuesten Stand zu halten, um neue Features, Bugfixes und Verbesserungen bei der Geschwindigkeit mitzunehmen. Was Nutzer unbedingt wissen sollten: Die Erweiterungen für Magento 1.x sind nicht unmittelbar kompatibel mit Magento 2.0!

Die Migration zu Magento 2

Anwender sollten sich darüber im Klaren sein, dass es sich bei einem Update von Magento 1.x auf Magento 2 regelrecht um einen Plattformwechsel handelt – das Update ist nicht mit einem einfachen Klick auf eine Schaltfläche erledigt, sondern will überlegt angegangen werden. Notwendig ist es sicherlich, denn die neue Version bietet viele überzeugende Neuerungen. Man sollte jedoch keine einfache Kopie des bestehenden Shops anfertigen, sondern sich fragen, welche Inhalte und Funktionen wirklich übernommen werden und welche besser neu aufgesetzt werden sollten, um das Beste aus der neuen Version herauszuholen.

Und so sollte die Migration geplant werden:
  • Nicht einfach alles kopieren
  • Nur die wesentlichen Inhalte übernehmen
  • Strategien und Ziele an die neue Version anpassen – und umgekehrt
  • Neue Features gezielt nutzen

Magento: Die Vorteile und Nachteile

Natürlich ist nicht alles perfekt – nicht einmal bei diesem hochgelobten Shopsystem. Und deshalb sollen hier die Vor- und Nachteile noch einmal auf einen Blick dargestellt werden.

Vorteile

  • Modularität und Trennung von Core und Modulen
  • Skalierbarkeit
  • Anpassbarkeit und Erweiterbarkeit durch Magento Connect und Web-Services-API
  • Multishop-Funktionalität
  • Mehrsprachigkeit
  • E-Commerce SEO Funktionen
  • Großer Funktionsumfang
  • umfassende Marketing-, Promotion-, Business Intelligence und Social-Commerce Funktionalität
  • Intuitiv bedienbares Backend

Nachteile

  • Hohe Anforderungen an die Hardware
  • Kosten für das Server-Hosting vergleichsweise hoch
  • Komplexität
  • Sehr viel Aufwand bei der Einarbeitung, die Programmierung erfordert PHP-Kenntnisse und Erfahrungen mit Entwicklungs-Frameworks
  • Wartungsaufwand

Ein weltumspannendes Asset: Die Magento Community

Einer der größten Pluspunkte von Magento ist die überaus große und aktive Community. Magento stützt sich nicht nur auf ein globales Netzwerk von mehr 1000 Technologiepartnern, sondern auch auf eine Community von mehr als 315.000 Entwicklern. Dazu kommt der weltweit größte Marktplatz für Erweiterungen, der Magento Marketplace, mit derzeit mehr als 14.000 verfügbaren Extensions. Die Magento-Gemeinschaft umfasst 800.000 registrierte Mitglieder, wovon 12.000 außerdem zertifiziert sind. All das sichert die kontinuierliche Weiterentwicklung des Shopsystems für und durch die Nutzer.

Ein Beispiel für die praktische Anwendung – Burger King goes Magento

Das U.S.-amerikanische Logistikunternehmen Meyer Quick Service Logistik (QSL) beliefert mehr als 1.200 Franchise-Restaurants. Dazu gehört neben Kentucky Fried Chicken, Pizza Hut und Starbucks auch Burger King®. QSL ist zuständig für den gesamten Logistikprozess, vom Einkauf von Waren und der Verwaltung der Lagerbestände bis hin zur Verteilung und Fakturierung. Burger King® und QSL wollten 2014 ihr veraltetes Ordersystem ersetzen und damit einen neuen Industriestandard in der Handhabung von B2B-Logistikprozessen setzen. Da Burger King® mehr als 700 Filialen und 1.800 tägliche Franchise-Aufträgen aufweist, war eine Plattform mit hoher Performance und Skalierbarkeit erforderlich. Die Wahl fiel auf Magento!

Magento in deutschen Webshops

Auch in Deutschland wird Magento zunehmend genutzt – ungefähr 27 % aller neuen Webshops werden mit einer Version von Magento erstellt. Im folgenden einige Beispiele für die praktische Anwendung des wandelbaren Shopsystems.